Bericht zur Pfingstexkursion 2026

Exkursionsbericht von Oliver Schnitger, Alexander Neitz und Lukas Graichen:

Auch in der Pfingstwoche 2026 fand die traditionelle Wasserbauexkursion des Ludwig-Franzius-Instituts der Leibniz Universität Hannover statt, um andere Universitäten, Projekte und ausgeführte Maßnahmen im Bereich des Küsteningenieurwesen und Wasserbaus, onshore sowie offshore, kennen und verstehen zu lernen. Die Rundreise sollte quer durch die Niederlande von Enschede über Bereiche um Rotterdam und Delft bis hin nach Gent und Brügge in Belgien führen. 

Die Gruppe schloss sich aus 17 Studierenden und drei wissenschaftlichen Mitarbeitenden des Instituts zusammen, welche sich am Dienstagmorgen im Forschungsbereich des Instituts in Hannover trafen und auf drei Autos aufgeteilt aufbrachen. Das Institut hatte im Vorfeld erfreulicherweise reichlich Wasser und eine große Auswahl an Snacks besorgt, wodurch sich bereits auf der Hinfahrt - trotz des uniwissenschaftlichen Hintergrunds der Reise - eine Klassenfahrt-Stimmung einstellte. 

Der erste planmäßige Stopp war die Universität Twente in Enschede, wo wir sehr freundlich in Empfang genommen wurden. Bei gestellten Getränken und Snacks durften wir uns drei spannende Fachvorträge der gastgebenden Uni anhören. Der erste Vortrag handelte von „Salt Marsh Edge Dynamics from Drone Data in the Dutch Wadden Sea“, der zweite behandelte das Thema „Salt marshes for nature-based flood risk mitigation“ und der dritte befasste sich mit „Site Visit: The River Dinkel“. Nach dem theoretischen Input ging es weiter in die Praxis zum Fluss Dinkel, an dem die Universität Feldforschung betreibt. Bei hochsommerlichen 30 Grad gingen wir durch Wald und Wiesen, während verschiedene hydrologische und ökologische Prozesse veranschaulicht wurden. Ein sehr lehrreicher Ausflug, wenn auch etwas zum Nachteil derer, die mit einer ausgeprägten Pollenallergie gesegnet sind. 

Danach setzten wir die Fahrt in Richtung Rotterdam fort, unterbrochen von einem gemeinsamen Abendessen auf dem Weg. Nachdem wir im Hostel angekommen und die Zimmer bezogen hatten, gingen wir in Kleingruppen los, um die letzten Stunden vor Sonnenuntergang für eine Stadterkundung zu nutzen. Rotterdam zeigte sich als schöne Stadt; besonders die beleuchtete Erasmus-Brücke am Wasser war in der Abenddämmerung ein Highlight. Nach diesem ereignisreichen Start der Exkursion fielen schließlich alle - die einen früher, die anderen später - zufrieden ins Bett. 

Am Morgen des zweiten Tages brachen wir früh in Richtung Delft auf, um Deltares zu besuchen. Deltares ist ein führendes Forschungsinstitut im Bereich Wasserbau, weshalb die Vorfreude auf die Besichtigung der Versuchsanlagen unter den Studierenden entsprechend groß war. Bevor wir jedoch durch diese geführt wurden, hielten zwei Mitarbeitende von Deltares Vorträge über ihre aktuelle Forschung. Die Themen waren der verbesserte Schutz von Stromkabeln von Offshore-Windenergieanlagen sowie die Kolkbildung durch Schiffspropeller. Anschließend präsentierten auch unsere Betreuenden ihre aktuellen Forschungsarbeiten, die sich mit Offshore-Windenergie und Salzwiesen beschäftigen. Danach wurden wir durch die beeindruckende Versuchshalle von Deltares geführt. Besonders hervorzuheben ist dabei das Delta Basin, ein 50 × 50 m großes Wellenbecken, in dem multidirektionale Wellen erzeugt werden können. Darüber hinaus besichtigten wir den außerhalb der Halle gelegenen Delta Flume, der hinsichtlich seiner Dimensionen durchaus mit dem GWK+ des LuFI konkurrieren kann. 

Nach dem Besuch von Deltares führte uns der Weg zurück nach Rotterdam zur Maasvlakte. Dieser jüngste Teil des Rotterdamer Hafens entstand infolge des stetigen Wachstums der Schifffahrt und wurde direkt in die Nordsee hinausgebaut. Damit unterscheidet er sich wesentlich vom Hamburger Hafen, der bis heute über die Elbe erreichbar ist. Der Rotterdamer Hafen ist der größte Hafen Europas, was sich auch in der ausgedehnten Busfahrt über das Hafengelände widerspiegelte, während der wir zahlreiche Informationen erhielten. So befinden sich beispielsweise zwei der vier niederländischen Kohlekraftwerke im Hafengebiet, und ein Großteil des in Europa gehandelten Basmatireises wird über Rotterdam umgeschlagen. Nach einem kurzen Aufenthalt am Strand setzten wir unsere Exkursion zum nächsten Ziel fort. 

Durch den Feierabendverkehr Rotterdams gelangten wir schließlich zum Maeslant-Sperrwerk. Dieses wurde im Rahmen des Delta-Plans errichtet und bildet dessen abschließendes Bauwerk. Der Delta-Plan wurde von der niederländischen Regierung als Reaktion auf die verheerende Sturmflut von 1953 ins Leben gerufen und dient dem Schutz der Niederlande vor zukünftigen Sturmflutereignissen. Eine Besonderheit des Maeslant-Sperrwerks besteht darin, dass seine beiden beweglichen Sperrtore im geöffneten Zustand vollständig an Land liegen und den Schiffsverkehr somit nicht beeinträchtigen. Eine Gruppe von Studierenden hielt vor Ort einen Vortrag über das Bauwerk. Dabei erfuhren wir unter anderem, dass die beiden Sperrtore etwa die Höhe des Eiffelturms erreichen, jedoch rund die vierfache Menge an Stahl enthalten. Das Sperrwerk ist für Sturmfluten mit einem Wasserstand von bis zu fünf Metern über NAP ausgelegt. Zum Vergleich: Die Sturmflut von 1953 erreichte einen Wasserstand von 3,85 m über NAP. Im Anschluss kehrten wir nach Rotterdam zurück, wo wir die lokale Fast-Food-Spezialität Kapsalon probierten, bevor wir uns entweder direkt oder über den Umweg Karaokebar ins Hostel begaben.

Der folgende Tag begann bereits in den frühen Morgenstunden, da unsere Reise uns weiter nach Belgien führen sollte. Auf dem Weg dorthin bot sich jedoch die Gelegenheit, weitere beeindruckende wasserbauliche Bauwerke zu besichtigen und interessante Vorträge zu hören. Entlang unserer Route lagen mehrere Anlagen der Deltawerke, zu denen auch das bereits besichtigte Maeslant-Sperrwerk gehört.

Neben dem rund 6,5 km langen Brouwersdam, der neben seiner Funktion als Küstenschutzbauwerk heute auch touristisch genutzt wird und der Naherholung dient, konnten wir das Oosterschelde-Sperrwerk besichtigen. Dieses zählt zu den bedeutendsten Bauwerken der Deltawerke und zeichnet sich durch seine ökologische Durchlässigkeit aus. Dadurch können die Gezeitenbewegungen der Oosterschelde weitgehend erhalten bleiben, während gleichzeitig ein wirksamer Schutz vor Sturmfluten gewährleistet wird.

Nach der Besichtigung setzten wir unsere Fahrt nach Gent fort. Dort konnten wir bei einer kleinen Stärkung interessante Vorträge von Prof. Troch und seinem Team an der Universität Gent besuchen. Thematisch standen dabei unter anderem die numerische Modellierung schwimmender Solaranlagen sowie die energetische Nutzung von Wellenenergie im Fokus. Im Anschluss erhielten wir einen Einblick in die Laborräumlichkeiten des Instituts und besichtigten den Wellenkanal. Danach machten wir uns auf den Weg zu unserer Unterkunft in Brügge. Den Abend verbrachten wir in der historischen Altstadt Brügges. Nach einem typisch belgischen Abendessen und einem Spaziergang durch die malerischen Gassen ließen wir den Tag gemeinsam ausklingen.

Der folgende Tag war vor allem durch längere Autofahrten geprägt, weshalb wir erneut früh aufbrachen. Unser Ziel war Rotterdam, eine Stadt, die wir bereits zu Beginn der Exkursion kennengelernt hatten. Aufgrund kurzfristiger Planänderungen besichtigten wir nicht den Hauptsitz der DEME Group in Antwerpen, sondern erhielten die Gelegenheit, das Offshore-Errichterschiff „Orion“ zu besuchen.

Während der Führung bekamen wir einzigartige Einblicke in die Errichtung von Offshore-Windparks und konnten zahlreiche technische Anlagen aus nächster Nähe betrachten, die uns bislang überwiegend aus Vorlesungen und Fachliteratur bekannt waren. Neben der Brücke und dem Maschinenraum konnten wir auch den großen Bordkran besichtigen, der Lasten von bis zu 5.000 Tonnen heben kann. Von dort bot sich ein beeindruckender Blick über den Rotterdamer Hafen und das gesamte Schiff.

Nach einem Mittagessen an Bord und einem interessanten Austausch mit Mitgliedern der Besatzung setzten wir unsere Heimreise fort und erreichten am späten Abend wieder unseren Ausgangsort. Damit endete eine abwechslungsreiche und lehrreiche Exkursion mit zahlreichen fachlichen und persönlichen Eindrücken.

Abschließend möchten wir uns bei den Verantwortlichen des Ludwig-Franzius-Instituts, bei der Gesellschaft der Förderer des Ludwig-Franzius-Instituts e.V sowie bei allen Beteiligten bedanken, die diese Exkursion ermöglicht haben.

Ein besonderer Dank gilt Alida, Johanna und Justus, die die Organisation der Exkursion übernommen und uns während der langen Fahrten sicher von Ort zu Ort gebracht haben.

Verfasst von Oliver Schnitger, Alexander Neitz und Lukas Graichen