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Institutsbenennung

Aktuelle Entwicklungen

Die Leibniz Universität Hannover hat die Rolle ihrer Vorgängerinstitution in der Zeit des Nationalsozialismus umfassend aufgearbeitet. Eine im Jahr 2011 eingerichtete Arbeitsgruppe des Senates hat Ergebnisse zu Verleihung und Entzug akademischer Titel während der NS-Zeit an der damaligen Technischen Hochschule Hannover vorgelegt. Themen sind die von 1933 bis 1945 an der Technischen Hochschule erfolgten Beeinträchtigungen aus ideologischen Gründen, das heißt über die auf der NS-Ideologie politischer, „rassischer“ oder sonstiger Diskriminierung beruhenden Beeinträchtigungen akademischer Stellungen, Grade und Ehrungen. In einem weiteren Schritt hat sich die Arbeitsgruppe auch die entsprechenden Begünstigungen in dieser Zeit untersucht und aufgearbeitet. Weitere Informationen zur Aufarbeitung der NS-Zeit der Leibniz Universität Hannover stehen hier zur Verfügung.

In diesem Zusammenhang hat der Geschäftsführende Leiter des Franzius-Instituts, Prof. Dr. T. Schlurmann, in Wechselwirkung mit dem Vorstand der Gesellschaft der Förderer des Franzius-Instituts e.V. auch die Aufarbeitung des Wirkens und der politischen Gesinnung des zwischen 1913-1936 an der Hannoverschen Versuchsanstalt für Grundbau und Wasserbau tätigen Prof. Dr. Otto Franzius veranlasst, um eine vollkommene Transparenz der Institutsgeschichte und andererseits daraus Konsequenzen für die heutige Institutsarbeit abzuleiten. 

Im Zuge dieser Aufarbeitung sind u.a. erhebliche Verstrickungen des zwischen 1913-36 in Hannover tätigen Prof. Otto Franzius nachgewiesen worden. Das dabei aufgedeckte Verhalten und die durch ihn verantworteten Unrechtsakte werden mit Nachdruck von der Institutsleitung und von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern missbilligt.

Um eine eindeutige Distanzierung zu Otto Franzius und vor allem um eine Unmissverständlichkeit hinsichtlich der Zusammenhänge in der Namensgebung des Instituts zu erzielen, hat das Institut seit dem 16. Nov. 2016 auf Antrag der Institutsleitung und Beschlussfassung des Präsidiums im Sommer 2016 die Denomination Ludwig-Franzius-Institut für Wasserbau, Ästuar- und Küsteningenieurwesen

Institutsbenennung

Diese fachwissenschaftliche Ergänzung wird denm profilbildenden wissenschaftlichen Schwerpunkten des Instituts sowohl im historischen Kontext der Institutsentwicklung, als auch in den aktuell prägenden Forschungsschwerpunkten in einem verknüpften Ansatz gerecht.

Mit der Präzisierung der Denomination bezieht sich das Ludwig-Franzius-Institut maßgeblich auf die besonders zu würdigenden Leistungen und das nachhaltige Wirken eines visionären Wasserbauingenieurs und zugleich einzigartigen Menschen, Ludwig Franzius, der zwischen 1843-53 das Baufach an der Polytechnischen Hochschule Hannover, einer Vorgängerinstitution der heutigen Leibniz Universität Hannvoer, studiert hat, und in Hannover als Oberbauratsassistent an der Generaldirektion Wasserbau zwichen 1858-67 u.a. für die Korrektion der Ems tätig war. Im Jahr 1867 wurde er auf den Lehrstuhl für Wasserbau an der Bauakademie in Berlin berufen, einer Vorgängerinstituion der heutigen Technischen Universität Berlin. 

Zu seinen wesentlichen Leistungen zählen u.a. die Regulierung der Schelde, Belgien, die Korrektion der Flüsse Jangtse und Huang Ho, China, die Planung des Hafens Helgoland sowie der Häfen Rostock, Duisburg, Düsseldorf und viele weitere. Alles entscheidend wirkte Ludwig Franzius ab 1875 nach Bestellung zum Oberbaudirektor in der Hansestadt Bremen, da er die Projektleitung an dem für die damalige Zeit maßgebenden technischen Werk zur Korrektion der Unter- und Außenweser sowie ab 1889 die Bauausführungen dazu übernahm und damit zum überragenden Erfolg des Seehandels der bremeischen Seehäfen maßgeblich beigetragen hat.

Ludwig Franzius war Mitglied der Preußischen Akademie des Bauwesens, Inhaber der Goldenen Medaille für Verdienste im Bauwesen und Inhaber der goldenen Telford-Medaille der Institution of Civil Engineers, UK, und bekan die Ehrendoktorwürde der Technischen Hochschule Berlin verliehen.

 

Forschungshintergrund und Kommentierung

Die Ästuar-Forschung ist heute einer der wesentlichen Schwerpunkte in Forschung und Lehre des Institutsleiters und amtierenden Dekans der Fakultät für Bauingenieurwesen und Geodäsie, Prof. Dr. T. Schlurmann, der die Namensänderung wie folgt kommentiert:

"Die Arbeit der Kommission ist wichtig und die Erkenntnisse sind vor allem im historischen Kontext des Instituts besonders wertvoll. Ich begrüße sehr, dass wir die Aufklärungsarbeit begonnen und mit dem Namenszusatz einen Weg gefunden haben, den Fokus der Institutsarbeit von der stark belasteten Person Otto Franzius abzuwenden, dessen - wie wir jetzt durch die Arbeit der Kommission wissen - hochschulamtliches und -politisches Verhalten und Handeln erhebliche NS-Verstrickungen aufweist. Daher distanzieren wir uns unmissverständlich von Otto Franzius und missbilligen die von ihm angeordneten bzw. verantworteten Beeinträchtigungen von Studierenden und Wissenschaftlern aus ideologischen Gründen, d.h. über die auf der NS-Ideologie politischer, rassistischer oder sonstiger Diskriminierungen akademischer Stellungen, Grade und Ehrungen. Mit den nunmehr dargelegten und an dieser Stelle kommunizierten Erkenntnissen sowie der explizit erfolgten Umbenennung des Instituts in Ludwig-Franzius-Institut für Wasserbau, Ästuar- und Küsteningenieurwesen tragen wir zur Aufklärung und Transparenz in der historischen Kommunikation der Institutsgeschichte nachhaltig bei und führen durch die fachwissenschaftliche Ergänzung der Institutsdenomination die Entwicklung des Instituts in Forschung und Lehre systematisch weiter.

Zum Hintergrund: Als Ästuare werden trichterförmig geformte Flussmündungen unter dem Einfluss der Gezeitenströme (Flut und Ebbe) definiert. Forschungsschwerpunkte im Ästuaringenieurwesen stellen das Prozessverständnis und die Folgewirkungen der an der Deutschen Küste anthropogen überprägten Ästuare in den Vordergrund. Dies beinhaltet bspw. die Erfassung und Bewertung der Sicherheit und Leichtigkeit der Seeschifffahrt und Hafeninfrastrukturen; die Prozesse, den Transport und die Bilanzen von Feststoffen und Salzgehalten sowie neuerdings in Kooperation mit den Naturwissenschaften die Bewertung von Struktur und Funktion von Küstenökosystemen und deren Dienstleistungen.

Die dieser hier aufgeführten Darstellung zugrunde liegende Presseinformation der Pressestelle der Leibniz Universität Hannover ist hier abzurufen.

Fortschreibung & Pressespiegel

Die orig. Pressemitteilung vom 23.10.13 sowie die darauf erfolgten Pressestimmen aus dem Okt. 2013 zur Entwicklung sind u.a. hier abzurufen.

 

Weitergehende Dokumentation vom 13. Nov. 2013: 

Mit Vorlage des ersten Berichts der vom Senat der Leibniz Universität Hannover eingesetzten Arbeitsgruppe „Verleihung und Entzug von Titeln während der NS-Zeit“ am 16.6.2012, der die Thematik der „ungerechtfertigte Entziehungen von Titeln und Ehrungen“ in den Vordergrund setzt, werden auch die von Otto Franzius als Rektor der Universität 1933/34 verantworteten bzw. herbeigeführten Handlungen analysiert und bewertet. In diesem Kontext ist das 7-seitige Dokument zu verstehen, welches einen Kurzbericht zu Otto Franzius als Rektor der Universität und seine während dieser Zeit verantworteten Handlungen und offenkundige Gesinnung umfasst und als Anlage des Protokolls der Sitzung der o.g. Arbeitsgruppe vom 28. Jan. 2013 zu verstehen ist.

Erst kürzlich ist ein sehr interessanter Beitrag zur Rektoratsübergabe am 19. Juni 1933 an der Technischen Hochschule Hannover von dem Historiker Dr. Michael Jung in den Hannoverschen Geschichtsblättern (Sonderdruck 67, pp. 91-100, 2013) erschienen, der sehr sorgfältig weitere Informationen zur Technischen Hochschule Hannover im Nationalsozialismus, und insbesondere zu Otto Franzius, bereitstellt und historisch exzellent aufarbeitet. Dieser sehr lesenswerte Beitrag belegt eindeutig Franzius' Überzeugung und Bekenntnis bzw. Anhängerschaft zum Nationalsozialismus (Parteimitglied NSDAP mit Eintrittsdatum 1.1.1929) und stellt gleichzeitig (...) die erste große und öffentlichkeitswirksame Manifestation der Verbundenheit der Technischen Hochschule mit der 'nationalen Erhebung' dar.

 

Weitergehende Dokumentation vom 24. Nov. 2016: 

Weitere Information zur Aufarbeitung der NS-Zeit sind hier hinterlegt. Dort findet sich auch der Abschlussbericht der o.a. Arbeitsgruppe des Senats der Leibniz Universität.

Außerdem wird explizit auf eine weitere aktuelle Veröffentlichung von Herrn Dr. M. Jung (2016) verwiesen, der die Rollen und Funktionen der Rektoren der Technischen Hochschule Hannover nach Kriegsende durchleuchtet hat.