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Große Wasserbauexkursion 2017 Niederlande

Jedes Jahr findet in der Pfingstwoche traditionsgemäß die große Wasserbauexkursion des Ludwig-Franzius-Instituts der Leibniz Universität Hannover statt, um Projekte und ausgeführte Maßnahmen im Bereich des Küsteningenieurwesens und Wasserbaus vor Ort kennen und verstehen zu lernen. Am Dienstag nach Pfingsten brach die insgesamt 27 Masterstudent/innen und Mitarbeiter/innen umfassende Gruppe in Richtung Niederlande auf.

In Moormerland nahe Emden wurde das Emssperrwerk besichtigt. Herr Blum vom NLWKN gab eine kurze Einführung in den niedersächsischen Küstenschutz anhand des Beispiels Norderney. Anschließend referierte Herr Heide zur Entstehung des Emssperrwerks und führte die Gruppe durch das Innere der Sperrwerkspfeiler und durch den Tunnel unterhalb der Hauptschifffahrtsöffnung hindurch. Nach einem Mittagssnack ging es weiter auf die niederländische Seite der Ems nach Delfzijl, wo auch der Leiter des Ludwig-Franzius-Instituts, Herr Prof. Schlurmann zur Gruppe dazu stieß. Vor Ort hielt Herr Bosch einen Vortrag zum Projekt Marconi, das bis 2018 abgeschlossen wird und das Ziel verfolgt, den Küstenschutz und Naturschutz mit der Steigerung der Attraktivität der Stadt und des Hafens zu vereinen. Um den Hauptschutzdeich zu entlasten, wird ein vorgelagerter Deich gebaut und für die Vögel werden geschützte Brutinseln errichtet. Außerdem soll der Stadtstrand vergrößert werden und eine Flaniermeile mit Geschäften entstehen.

Der zweite Exkursionstag führte zunächst entlang des Abschlussdeiches zwischen Ijsselmeer und Nordsee. Der Damm ist ein wichtiges Bauwerk zur Landgewinnung und zum Küstenschutz in den Niederlanden und wird in den kommenden Jahren massiven Ertüchtigungsmaßnahmen unterzogen. Das nächste Exkursionsziel führte die Gruppe in den kleinen Küstenort Petten, nordwestlich von Alkmaar. Vor Ort konnten Informationen gewonnen werden, wie dort eine neue Dünenlandschaft entstanden ist, die gleichzeitig als natürliche Schutzmaßnahme gegen den steigenden Meeresspiegel dient und zudem einen attraktiven Strand für den Tourismus bietet.

Am dritten Tag ging es nach Den Haag, wo etwas weiter südwestlich der sogenannte Sand Engine liegt. Bei diesem Küstenschutzprojekt wurde ein künstliches Sanddepot mit einem Aufspülvolumen von ca. 21 Mio. m3 Sand aufgeschüttet. Infolge der vorherrschenden Wellenangriffsrichtung auf diesen Strandabschnitt und durch die Westwinde wird intendiert, dass sich der aufgespülte Sand am Strand zwischen den Orten Scheveningen und Hoek van Holland parallel zur Küstenlinie verteilt und die dort entstehenden Sandverluste kompensiert. An der Technischen Universität in Delft stand dann ein sehr spannender Vortrag von Herrn Dr. Luijendijk über weitere Informationen und vertiefte Erkenntnisse der Funktionsweise des Sandmotors auf dem Programm, der der Gruppe Fragen hinreichend genau beantworten konnte. Nach einem kurzen Imbiss folgte die Besichtigung des in der Nähe liegenden technischen Instituts Deltares. In mehreren Vorträgen wurde die Einrichtung, ausgewählte Projekte und gängige Softwarepakete vorgestellt. Anschließend konnte die große Wasserbauhalle mit mehreren Versuchsanlagen und den großen außenliegenden, neuen Deltaflume besichtigt werden. Die Fahrt führte weiter in Richtung Rotterdam mit Station im Besucherzentrum des Maesland Sturmflutwehrs, wo der Gruppe ein technisch versierter Vortrag und eine Besichtigung des beeindruckend großen Wehres geboten wurde.

Am letzten Tag führte die Exkursion noch nach Nijmegen, wo der Gruppe das umfangreiche Projekt Room for the River vorgestellt wurde, um Hochwasserereignisse wie zuletzt 1993 und 1995 besser zu managen. Ein Teil des Projekts wurde besichtigt, bevor es wieder zurück nach Hannover ging.